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Dokumentation 100 Jahre Alpe Rauz

Gebhard Näscher – Interview am 27. Juni 2013708 Gebhard Näscher (1934) übernahm in jungen Jahren die Landwirtschaft seines früh verstorbenen Vaters und Vorstehers Wilhelm Näscher. Er erlernte ursprünglich den Beruf eines Senns. Als Gemeinderat befasste er sich später mit der Alpe Rauz und er hatte über den Musikverein Konkordia zudem gute Kontakte nach Klösterle. Zu seinen Erinnerungen an die Alpe Rauz führt er aus: „Ich war als Bub schon dabei, als man das Vieh bei der Alpauffahrt zum Bahnhof nach Feldkirch trieb und nach Langen verfrachtete. Nicht vergessen habe ich, wie damals die älteren Männer vom Bahnhof Langen zuerst über die Strasse zum Bürgermeister Brändle gingen, um, wie ich später feststellte, in gemütlicher Runde auf den Alpsommer anzustossen. Von Langen wurde dann das Vieh auf die Alpe Rauz getrieben und es war damals für die Treiber ein strenger Tag, weil vor allem die Buben das verstreute Vieh wieder auf den Weg zurücktreiben mussten. ‚Bub lauf!‘, hiess es immerzu. Einmal musste ich bei einem Räumtag die Rinder auf die Schattenwand hochtreiben und hüten. In der Langeweile habe ich Alpenrosen abgeschnitten, Sträusse gebunden und sie an der Arlbergstrasse den Autofahrern verkauft. Am Abend hatte ich zehn Deutsche Mark in der Tasche. Kühe haben wir nur wenige Jahre auf die Rauz gebracht, einmal eine Kuh, die schlecht zum Melken war. Ich weiss noch, wie ich unsere Molke bei der Schule abholte. Beim ersten Mal gab es nur wenig Butter und Käse und bei der zweiten Verteilung nichts mehr. Als ich nachfragte, sagte man mir, meine Kuh sei galt. Doch die Kuh hatte erst im Oktober gekalbt. Für mich war es offensichtlich, dass das Alppersonal einfach keine Lust mehr hatte und die Kuh nicht mehr melken wollte. Damals wurde beim Sennen alles von Hand gemacht und in der Sennhütte standen nur einfache Geräte zur Verfügung. Ausserdem fehlten wirksame Mittel zur Reinigung und zur Hygiene im Stall und in der Sennerei. Jeder Senn hatte seine eigenen Verfahren, Rezepte und Käsebakterien und es ist heute nicht mehr ergründbar, nach welchem Rezept der Käse auf der Alpe Rauz hergestellt wurde. Ich kann nur bestätigen, dass der Alpkäse gut war – man war damals auch nicht so verwöhnt wie heute. Bei der Herstellung von Süsskäse verwendete man teilweise, beim Sauren Käse hauptsächlich Magermilch. Die Milch wurde am Abend in Brenten aufstellt und am Morgen wurde der Rahm daraus abgeschöpft. Die Magermilch wurde dann zusammen mit der frischen Vollmilch vom Morgen in die Kessi zum Käsen geleert. Wenn ich an die alte Sennerei auf der Rauz zurückdenke, so ist mir das Bild von einem großen, durch den Rauch des Feuers unter dem Kessi schwarz verrauchten Raum geblieben. Anfang der Sechzigerjahre war noch eine Sennerei im unteren Alpgebäude eingeplant und ich konnte damals als Käser den Gemeinderat zur Ausstattung der Sennerei beraten. Man brauchte für eine Sennerei ein Butterfass, das Käsekessi und Brenten sowie verschiedene Kleingerä- 708 Abbildung 4.28, Gespräch geführt und zusammengefasst von Franz J. Heeb am 25. November 2013, Zusammenfassung gelesen und frei gegeben von Gebhard Näscher am 28. Dezember 2013 128


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